des Melanija Vanaga Museum           

Die virtuelle Ausstellung des Melānija - Vanaga -Museums

  "SEI SELBST"

Am 17. Juni 1940 wurde Lettland von Sowjetunion besetzt. Die Okkupation bestand bis zum 4. Mai 1990 fort. Während der ganzen Besatzungsperiode führte die totalitäre Sowjetmacht grausame Repressionen gegen die Einwohner Lettlands durch. Am 14. Juni 1941 und 25. März 1949 wurde Lettland von zwei Massendeportationswellen betroffen – die Sowjetmacht verhaftete und verschleppte nach Sibirien 57 568 Einwohner Lettlands, darunter 14 728 Kinder und Halbwüchsige.

Die Schriftstellerin Melānija Vanaga, ihr Ehemann Aleksandrs Vanags und ihr Sohn Alnis wurden 1941 deportiert. Melānija Vanaga hat ihre eigene Erfahrung sowie die der anderen Deportierten in ihrem autobiografischen Buch „Am Ufer des Geisterflusses” brillant wiedergegeben. Seit 1991 hat das Buch drei Auflagen erlebt und ist somit einer der ausdrucksstärksten Darstellungen der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts in Lettland. Das Buch ist eine Schilderung des Verbrechens von Stalinregime gegen die Menschlichkeit. Es erzählt von den durch die totalitäre Macht verursachten Traumata, deren Folgen in der lettischen Gesellschaft noch heute spürbar sind.

Neben der Beschreibung des Leidensweges der Erwachsenen wird „Am Ufer des Geisterflusses” auch die Erfahrung der deportierten Kinder dargestellt. Das Melānija-Vanaga-Museum hat schon seit mehreren Jahren die Erinnerungen der in dem Buch erwähnten Kinder zielstrebig gesammelt. Es werden 18 Videozeugnisse in der Museumssammlung aufbewahrt.

Die virtuelle Museumsausstellung „SEI SELBST!” berichtet von der Erfahrung der fünf deportierten Kinder. Die Hauptfiguren der Ausstellung – die fünfjährigen Inta Broka, Andris Eglītis und Ivars Kārkliņš, der achtjährige Alnis Vanags und die elfjährige Ilga Hāgemane, sowie ihre Eltern – wurden von der Sowjetmacht des „Heimatverrats” unverdient beschuldigt. Den Leiden und der Hoffnungslosigkeit zuwider überlebten sie. Die Kinder, später als Halbwüchsige und Jugendliche, mussten oft nur auf sich selbst verlassen, selbst denken, urteilen, entscheiden und handeln. Hartnäckig schlugen sie ihren eigenen Lebensweg ein, dabei haben sie wohl die unüberwindbarsten Hindernisse besiegt. Die Erzählung jedes Kindes ist eine Heldentat auf dem Wege zum Erwachsenwerden. Eine Heldentat, die gleichzeitig auch ein Bestandteil des historischen Erbes von Lettland ist. Dieser Nachlass ist von einer grossen Bedeutung für jeden, der im heutigen Lettland lebt und der seine Zukunft mit dem Lettland von Morgen verbindet. Die Ausstellung wurde „SEI SELBST!” genannt, um die Aufmerksamkeit auf den Wert des Menschenlebens zu lenken, sowie als eine Aufforderung an die Betrachter der Ausstellung, über die Relation zwischen einer totalitären Macht und Individuum nachzudenken. Überdies regt die virtuelle Ausstellung uns an, auch unserer eigenen Möglichkeiten in einem demokratischen Staat bewusst zu werden.

Elīna Kalniņa
Konzeptautorin und Entstehungskoordinatorin der virtuellen Ausstellung „SEI SELBST!”


SEI SELBST


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